Was ist Offenstallhaltung? Was bringt sie
für Vorteile?
Durch den
dauerhaften Kontakt zu ihren Artgenossen und die Möglichkeit sich wann immer sie
wollen zu bewegen, sind Offenstallpferde wesentlich ausgeglichener als normale
Stallpferde. Sie werden allgemein robuster und weniger anfällig für Krankheiten.
Die Hufqualität verbessert sich, da sie nicht immer im Mist stehen, durch den Weidegang mehr Feuchigkeit an die Hufe kommt und je nach Untergrund die Hufe auch abgehärtet werden.
Offenstallhaltung bringt Vorteile bei Pferden mit Gelenksproblemen. Durch die häufige Bewegung bleiben die Gelenke länger "warm", das heißt das die Synovialflüssigkeit in ihrem besten Zustand bleibt und durch den Druck und die Entlastung die beim Laufen entsteht, das Gelenk weiter ernährt.
Auch für Pferde mit Verdauungsproblemen ist die Offenstallhaltung ideal, da durch die dauerhafte Bewegung die Darmtätigkeit angeregt wird.
Welche Nachteile hat die Offenstallhaltung?
Die Pferde dürfen auf keinen Fall geschoren werden! Fesselbehang, Mähne, Schweif und Fell müssen weitgehendst in ihrer natürlichen Form bleiben, da den Pferden sonst der natürliche Schutz fehlt. Eindecken (besonders in größeren Herden) mag wegen der Verletzungsgefahr zu riskant sein. Das wird zwar auch gemacht, aber es ist gefährlich.
Wenn es kalt ist, dürfen die Pferde nicht naßgeritten werden, oder müssen wieder richtig getrocknet werden (was ja bekanntlich nicht immer ganz leicht ist) bevor man sie bedenkenlos wieder in den Paddock lassen kann. Wenn man bei kalten Temperaturen ein nassgeschwitztes Pferd in den Offenstall stellt, wird es sich höchstwarscheinlich erkälten.
Pferde können Probleme haben sich in die Herde einzugliedern. Es besteht erhöhte Verletzungsgefahr. Man muss damit rechnen das besonders rangniedrige und alte/kränkere Pferde nicht mit der Herde klar kommen. Für diese Pferde ist der Offenstall dann nicht geeignet!
Ein weiterer Nachteil ist natürlich
noch, das man jederzeit wenn man reiten will ein nasses, schlammiges Pferd
vorfinden kann.
Offenstallhaltung ist nur was für kleine
robuste Ponys, oder?
"Also, wenn ich ein Pferd wäre, würde ich mich über eine w arme kuschelige Box nach dem Ausritt freuen..."
...denken vielleicht wir Menschen. Aber wenn wir Pferde wären, würden wir von einer warmen kuscheligen Box wenig halten. Wir Menschen finden es schön, wenn wir nach der Arbeit in unser gemütliches Wohnzimmer kommen. Wir sind ja auch "Höhlenbewohner". Das Pferd aber ist ein "Steppenbewohner", ein Lauf- und Herdentier. Es freut sich eben, wenn es nach der Arbeit zu seinen Artgenossen in die Herde kommt und sich wieder frei bewegen kann.
Offenstall nicht gleich Offenstall
Offenstall kann vieles heißen:
Es kann zum Beispiel eine einfache,
kleine Weidehütte mit einer Koppel dran sein,
oder
es kann sich um einen guten Laufstall
mit Fresständen, Trennwänden, mehreren Eingängen und befestigtem Paddock mit
Zugang auf die Weide handeln.
Leider ist letzteres eher die Ausnahme.
Es gibt einfach ein paar Faktoren die eine weitgehend reibungslose Offenstallhaltung eher ermöglichen als andere. Dazu gehören:
Fressstände:
Sollen ungestörtes Fressen ermöglichen, nach dem Motto das ein Pferd das andere
nie von hinten angreift. Das ist in der Realität leider nicht immer so und so
können Fressstände leider auch immerwieder zur gefährlichen Falle werden.
Trennwände:
Da stellt man sich freistehende Wände vor, die auf beiden Seiten zu umgehen sind.
Sie sollten den Pferden ermöglichen immer irgendwohin flüchten zu können.
Mehrere Eingänge:
Sind von Vorteil, damit nicht ein oder 2 Ranghohe Tiere den
Eingang dicht machen und andere im Regen stehen und natürlich auch, damit immer
eine Fluchtmöglichkeit besteht.
Keine Sackgassen:
Wenn man sein Pferd mal in einer chaotischen Herde im Offenstall
hatte, bekommt man einen Blick für gefährliche Bereiche. Grundsätzlich ist jede
Ecke schon ein Risiko, aber dort ist Flucht noch eher möglich als in Sackgassen
die schon jede Weidehütte mit kleinerer Türe bildet. Auch zu bedenken ist,
das man auf Heuraufen und alle irgendwie gefährlicheren
Dinge besonders an solchen Orten verzichten soll. Das kann zu bösen
Verletzungen führen, wenn Pferd 1 panisch auf die Heuraufe springt weil es
von Pferd 2 bedrängt wird.
Herdenzusammenstellung:
Es ist eigentlich klar, wenn in
der Realität auch oft vernachlässigt, das die Herde im Vergleich zur Stallgröße
nicht zu groß sein darf. Auch hier gilt meines Wissens die "Stockmaß mal 2 im
Quadrat" Regel. Im Offenstall würde ich sogar mehr Stallfläche anbieten.
Es sollte nicht viel Pferdewechsel in
dem Stall sein. Eine möglichst gleichbleibende Herde bietet am meisten Ruhe und
am wenigsten Verletzungsrisiko.
Kleiner Tip wenn 2 Pferde sich nicht
vertragen: Die Beiden mal einige Tage ohne die restliche Herde
zusammenstellen, oftmals geht es danach besser.
Ausweichmöglichkeiten und Improvisation:
Wenn Pferde
krank werden oder sich Pferde nicht verstehen, sollte es möglich sein, Bereiche
in Stall und Weide abzuteilen. Boxen zum Ausweichen, besonders für kranke Pferde
sind auch sehr hilfreich.
Auslauf:
Als idealen Offenstall Aufbau stelle ich mir einen gut durchdachten Laufstall mit
gut drainagiertem, großem Auslauf vor. Von diesem Auslauf aus kann man dann je
nach Wetter den Weidegang ermöglichen oder nicht.
Faszit:
Offenstallhaltung kann etwas sehr schönes und gesundes fürs Pferd sein, aber sie muss durchdacht sein. Und man muss akzeptieren das es nicht für jedes Pferd gut ist. Damit meine ich nicht die Rasse die angeblich nicht robust genug ist, sondern den Gesundheitszustand und das Sozialverhalten des Pferdes (und auch der anderen Pferde), in Verbindung mit Faktoren wie Stallaufbau und Herdenzusammenstellung.
Es gibt einfach Fälle in denen man zum Wohl des Pferdes eine andere Haltungsform wählen muss oder einen anderen Offenstall.
Und noch mehr Offenstall gibt's hier:
Fühlen sie sich von ihren Stallkollegen genervt? Fühlen sie sich eingezwängt weil sie doch schon so viele Jahre ihrem Pferd gehören? Braucht vielleicht auch ihr Pferd mal ein bisschen Abstand von ihnen? Dann beauftragen sie doch einfach ihre netten Stallkollegen mit der Pflege ihres geliebten Tieres und machen sie Urlaub in einer unserer gemütlichen, gut eingerichteten Ferienwohnungen am wunderschönen Bodensee! Hier gibt es zwar keine Fressstände, aber vielleicht vertragen sie sich ja auch so ;-)