Pferdefreundliche Haltung?

Welche Haltung ist wirklich Pferdefreundlich? Offenstallhaltung? Sicher, aber nicht jede abgebliche Offenstallhaltung ist tatsächlich so gut. Manche Leute stellen ihre Pferde in einen kleinen Auslauf mit 30cm tiefem Matsch, wo die Pferde keine Möglichkeit haben, ins trockene zu kommen. Selbiges ist aber sicher keine Offenstallhaltung mehr, sondern Tierquälerei. Da fühlt sich ein Pferd in einer guten Stall und Weide Haltung mit Sicherheit 100 mal wohler.
Also, Offenstall ist nicht gleich Offenstall!
Die folgenden Beispiele treffen meiner Ansicht nach den Kern der Sache recht gut:

Teil 1:
Die Anbindekette klirrt. Max schaut sich trotzig im dunkeln um, hebt drohend das Hinterbein... der Ständer ist zu eng, um den Huf gegen diese kreischenden Zweibeiner zu erheben. Traurig schaut er auf die drei angetrockneten Haferflocken in seiner schmutzigen Krippe. Auf dem Heu mußte er notgedrungen schlafen, blanker Stallboden mit dreieinhalb Strohhalmen bedeckt bekommt seinen Nieren nicht.
Das viel zu enge Halfter wird ihm über den Kopf gezerrt, grobe Bürstenstriche bearbeiten sein verklebtes Fell. Der Sattel und das Zaumzeug, die eigentlich nie richtig passten, werden an ihm befestigt, nichtsahnend und schlecht sitzend.
Missgelaunt trottet er neben dem kreischenden Monstrum in die Halle, läßt nebenbei sehnsüchtig seinen Blick über die Weiden schweifen....

Teil 2:
"Mäxchen!" ruft es. Max dreht sich in der geräumigen Box freudig um. Mal sehen, was ihn heute spannendes erwartet!
Gestern war er mit den Kollegen auf einem der schön angelegten, gut befestigten Ausläufe, vorgestern durfte er mit seiner Reiterin entspannend die Umgebung auf einem langen Ausritt begutachten.
Kurz blickt er zu der gut gefüllten Heuraufe, die genau richtig auf Brusthöhe angebracht ist. Max nimmt noch schnell ein Maul voll Heu, schnobert kurz durch die saubere Einstreu, aus der der Pfleger vorhin erst den Mist entfernt hat und dreht sich nun endlich um, zur Tür seiner hellen, gut belüfteten Außenbox....

Teil 3:
Bjarni seufzt leise. Mit großer Anstrengung gelingt es ihm, den Hinterhuf aus dem Matsch freizubekommen, nur um dann wieder mit dem anderen festzustecken. Das modrige Heu, das ihm morgens lieblos hingeschmissen wurde, liegt nun zertreten im Dreck, der Mist verunreinigt es.
Vergeblich sucht Bjarni Schutz vor dem Nieselregen. Die spärlichen Büsche und Sträucher hat er abgenagt, aus Hunger, einen Unterstand oder eine Baumgruppe gibt es nicht. An seiner Brust blutet ein Riss, der vermutlich vom Stacheldrahtzaun rührt.
"Natürlich dürft ihr reiten, Kinder!" Bjarni stöhnt auf, die Postkandare, viel zu klein, wird ihm ins Maul geschubst, sie schlägt an die Vorderzähne, sie kneift, sie wird ihn später malträtieren.
Schwungvoll wird das größte und schwerste Kind auf seinen knochigen Rücken geschoben. Es reisst an den Zügeln, tritt ihm in den Bauch: "hüa, hüa!"
Später steht Bjarni klatschnass und dampfend da, hustet und stöhnt..."wissen sie, dem Pony macht das ja immer so viel Spaß mit den Kindern, da braucht es kein anderes dabei"...

Teil 4:
Gemütlich trabt Bjarni den Zaun auf dem federnden, mit Holzschnitzeln belegten und gut drainierten Boden entlang. Die Decke sitzt tadellos, eben noch hat er sich gewälzt. Heute hat er schon etwas geschwitzt, also zur Vorsicht...
Er fühlt sich wohl und hält Ausschau nach seinen Kumpels, um ein bißchen zu spielen oder zu raufen. Zunächst heißt es aber erst einmal fressen. Rundraufen sind eine gute Angelegenheit denkt er, keiner kann mir was weg nehmen, nix wird schmutzig...prima!
Er wendet sich zu dem glasklaren, sauberen Bach, der mitten durch den Auslauf führt, um ein paar Schlucke zu trinken.
Seine Kameraden drängen zum Unterstand... aha, Fütterungszeit... Bjarni gesellt sich ruhig dazu. Der freundliche, ruhige Zweibeiner nimmt ihm mit angenehmen Lauten die Decke ab und stellt sein Futter in einer Schüssel vor ihn hin. Ein anderer paßt auf, daß keiner der Scheunendrescher die schon fertig sind den anderen etwas wegnehmen kann. Bjarni wälzt sich noch einmal ausgiebig, bevor er sich in der sauberen Einstreu müde und geschützt durch Fluchtbalken und kleine Zwischenwände, ausstreckt und einschläft.

Alles klar??

© by Nanja

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