Aquino
 
Aquino ist eine recht eigenwillige, selbstbewusste, minimal hysterische und gelegentlich auch ein bisschen sture Schimmelstute die meistens aber doch ganz nett ist und durchaus auch manchmal zu konzentrierter Mitarbeit oder einer gemütlichen Kuschelstunde bereit sein kann. Für gewöhnlich hat sie aber keine Hemmungen ihre Meinung offen zu sagen, was nicht unbedingt eine schlechte Sache sein muss.
 
Was sie so einzigartig und ungewöhnlich macht ist neben ihrem Charakter, ihre Abstammung. Nachdem wir lange Zeit glaubten, Aquino sei ein einfacher polnischer Trakehner, brachte mich doch Etwas ins grübeln. Immer bei Vollmond kann ich deutlich ein silbern schimmerndes Horn auf Aquinos Stirn erkennen. Irgendwann dachte ich so bei mir, dass das ja eigentlich nicht ganz normal ist und forschte nach, bis ich über mehrere Gnome und ein paar Trolle, die mich zu einer Waldfee schickten, die mich wiederum zu einer anderen Waldfee schickte (bei der ich mehrere knifflige Aufgaben erfüllen musste) über die ich dann endlich zu einer Elfenprinzessin gelangte, die mir dann die entscheidenden Informationen über Aquinos Vergangenheit geben konnte.
Sehr Kompliziert ist ihr Stammbaum eigentlich nicht:
 
Ihr Vater war, genau wie ihre Großeltern und weitern Vorfahren ein reines polnisches Wald und Wiesen Pony!
Ihre Mutter aber, war das letzte Einhorn, ihre Großmutter das vorletzte Einhorn, der Großvater das vorvorletzte Einhorn, usw.!
 
Wenn man an das Horn auf der Stirn denkt, ist dieses Ergebnis eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn man aber bedenkt, das es eigentlich gar keine Einhörner mehr gibt, ist das doch beeindruckend.
Tja, was eben kaum einer weiß ist dass das letzte Einhorn, nachdem es kein anderes mehr gab, doch noch seine Liebe zu einem polnischen Wald und Wiesen Pony Hengst entdeckt hat und das Ergebnis ist ja nun bekannt:-)
 
Dazu muss man sagen, dass absolut reine (in jeder Hinsicht) Menschen das Horn wohl immer erkennen können. Ich sehe es ja wie gesagt nur bei Vollmond, aber es gibt auch Leute die es gar nicht mehr sehen können.
Ich bin jedenfalls froh dass es nur bei Vollmond auftaucht, weil es doch beim Trensen stören würde.
 
 
Gut, also ich will jetzt noch mal kurz ihren gemeinsamen Lebensweg als ganz normales Pferd mit einer ganz normaler Reiterin, darstellen:
 
Aquino wurde 1987 in Polen geboren und kam im Alter von 2,5 Jahren nach Deutschland. Dort wurde sie von ihrem Vorbesitzer gekauft und Western Freizeit mäßig eineritten. Sie hatte damals wohl noch viel eigenere Meinungen zu manchen Themen als heute, weshalb das Einreiten wohl auch nicht unbedingt einfach war. Sie lebte dann also bis ich sie 1998 gekauft habe in ihrem ersten Stall in Box und Weide Haltung. Mit der Box hatte sie sich allerdings nie so ganz anfreunden können und versuchte ausgiebigst all die Jahre, sie in ihre Einzelteile zu zerlegen. Aquino wurde zu dieser Zeit mehrere Jahre lang so gut wie gar nicht geritten.
 
Als sie mich dann zu ihrem Eigentum erklärte, blieben wir noch 1 Jahr in dem Stall, wo wir beide viel Spaß miteinander beim Western-Freizeitreiten im Gelände, selten auf dem Platz hatten. Wir sind auf einige Orientierungsritte gegangen (mit eher zweifelhaftem Erfolg), waren auf manchen Geschicklichkeiten, maßen uns mit anderen unreifen Jugendlichen und Erwachsenen in kleinen Waldwegrennen, wobei schon deutlich wurde, das sie kein normales Pferd war.
Unser Traum war immer ein mehrtägiger Wanderritt, der zwar jedes Jahr geplant wurde, wo aber auch jedes Jahr was dazwischen kam.
 
Sommer 1999 mussten wir dann den Stall wechseln, weil unser damaliger Stall geschlossen wurde. Wir suchten ausgiebigst und gingen dann in einen Offenstall mit einer Herde von ca. 10 Pferden, in den sie sich nur schwer eingegliedert hat. Sie wurde dort im Umgang sehr schwierig, war häufig, zum Teil auch schwer verletzt, wozu noch weitere Gründe kamen die uns dann im Winter 2000/2001 dazu veranlassten den Stall zu wechseln.
 
Unser neuer Stall in dem wir immernoch sind, ist 30 km von meinem zu Hause entfernt und somit kein Spaß zum täglichen hin und her fahren. Aquino hat aber für ihre Psyche dort meines Erachtens eher ihre Heimat gefunden als im Offenstall.  Hier hat sie eine wunderschöne Paddockbox am Rand der Stallgasse. Dort fühlt sie sich zu Hause, so dass die Box den Namen "Aquinos Wohnhöhle" bekommen hat. Dort hat sie nie mehr getreten und ist im Umgang weitaus besser geworden als in den Ställen davor. Ich glaube jetzt ist sie wirklich glücklich.
 
Reiterlich war der große Vorteil dieses Stalles die Reithalle. So konnten wir nach der Zeit des "fast nie reitens" im Offenstall, endlich wieder Gelände und auch Bahn reiten.
 
Zuerst versuchten wir mit Reitunterricht unserer Western Reiterei etwas mehr Qualität zu verleihen, was auch relativ gut gelang. Aquino war aber einfach kein Western Pferd und hatte mehr Talent für die Klassisch/Englische Reiterei (wobei ich auch schon damals der Meinung war das es für sie gesünder wäre). Die übliche Reitschulreiterei hatte mich allerdings immer so weit abgeschreckt das ich lieber bei Western geblieben bin. Nach etwa einem Jahr kam dann allerdings ein Reiter auf den Hof, der mich von der klassischen Reiterei mit seinem Unterricht, weit genug überzeugt hatte, das wir dann doch noch umgestiegen sind.
Und das hat Aquino, für ihr doch schon etwas fortgeschrittenes Alter, auch ganz toll gemacht.
Was wir geritten sind, ist schlecht in eine Klasse einzuordnen, aber wenn man es versuchen wollte, konnte man teilweise schon von L sprechen, natürlich gab es auch genügend Probleme und Schwächen. Bis dahin, das sie aus mir unbekannten Gründen (bzw. ich kann nur vermuten) irgendwann mal so gestreikt hat, das wir in einer halben Stunde nicht mal eine Runde in der Halle rum gekommen sind. Eine erfahrene Reitleherin sprach davon das sie so etwas extremes noch nie gesehen hat und das man so was auch nicht mehr hinbekommt. Vielleicht schafft es noch ein Bereiter mit roher Gewalt. Ich habe mich dann mit dem Pony auf unsere Weise doch noch einigen können. Mit Gewalt erreicht man bei Einhörnern nämlich gar nichts.
 
Es folgte dann erst mal eine Zeit von wunderschönen, langen Ausritten mit meiner damaligen Reitpartnerin Silvy. Zu dieser Zeit war es für uns ein seltsames Gefühl schon nach 2 Stunden vom Pferd zu steigen, häufig sind wir zwischen 3 und 6 Stunden geritten. Die Krönung war endlich ein wunderschöner 3 Tägiger Wanderritt im April 2004. Wir wollten dann nach ein paar Wochen noch einen längeren Ritt folgen lassen, aber leider kam dann ein Sehnenschaden dazwischen der uns zu mehreren Wochen Boxenruhe verurteilte.
Als sie wieder gesund war, lief Aquino  eine Zeitlang noch besser Dressurmäßig als davor, bis dann langsam ein Problem im rechten Vorderbein deutlich wurde. Winter 05/06 musste ihr ein Chip  aus dem Hufgelenk entfernt werden, was leider auch nicht wieder so gut wie erwartet wurde, zeitweise sogar schlechter als vor der OP. 
Etwa seit Sommer 2006 ist sie immerhin auf dem aufsteigenden Ast und wir wissen mittlerweile dass die OP die richtige Entscheidung war.
Voll belastbar ist sie nicht mehr und wir müssen uns auch manch ein ungestümes durch den Wald stürmen zugunsten eines nicht entzündeten Gelenkes verkneifen. Aber wen störts. Wir betreiben jetzt halt hauptsächlich "Gesundheitssport" und genießen unsere - meist Schrittausritte - fast noch mehr als früher.
 
In den letzten Jahren hatte Aquino leider auch einige Probleme mit Koliken, wobei wir aber auch das mittlerweile im Griff zu haben scheinen.
 
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die wirkliche Wendung zum Positiven, sowohl was die Beine betrifft, als auch was die Verdauung betrifft, durch eine Fütterungsberatung von Iwest kam.
 
Wir hoffen jedenfalls, das uns jetzt noch viiieeele schöne gemeinsame Jahre bevorstehen.
 


Ps: Da ich mir nicht so ganz sicher bin warum Einhörner Nummernbrände haben, würde es mich immernoch interessieren was ihr Brand bedeutet, oder ob ich vielleicht über diesen Brand auch noch an ihre Papiere kommen kann.  Falls also jemand weiß, was der Brand in der Sattellage (oben 57 darunter 48) bedeuten könnte, bitte bei mir melden. Es hieß ja, das Aquino ein polnischer Trakehner mit viel Vollblut sein sollte. Aber so einfach wie viele glauben, dass die untere/obere zahl das Geburtsjahr ist, ist es eben doch nicht, denn dann wäre Aquino schon sehr alt (was ich bei einem Einhorn ja nicht ausschließen wollte). Aber ich denke doch das es was anderes bedeuten muss.

      


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